Skip Navigation

Die Resopal Kulturgeschichte

1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000

Vom Kunststoff-Klischee zu sinnlichem Erleben

Die Chronologie von Resopal spiegelt Zeit- und Design-Geschichte wider. In den 50er und 60er Jahren steht das neue Material für Modernität und die RESOPAL®-Küche stellvertretend für Neuanfang und Wirtschaftswunder. Dem durch die Ölkrise geweckten Umweltbewusstsein der 70er wird das Unternehmen mit Naturreproduktionen und blumiger Ornamentik gerecht. Für die Beliebigkeit der nachfolgenden Postmoderne entwickelt Resopal die Unterdrucktechnik mit ihrer schier endlosen Kombinatorik. Dem Bedürfnis der 90er nach Einfachheit und Natürlichkeit werden Patina- und Spachteleffekte gerecht. Und an der Schwelle zum 21. Jahrtausend formuliert das Unternehmen eine zukunftsweisende Philosophie: Gesteigertes Materialerleben an Stelle bloßer Imitation. RESOPAL® avanciert zum übernatürlichen Material, das über das Naturvorbild hinaus sinnliches Erleben steigert. Wir blicken zurück, um nach vorne zu schauen.

1930 – Das RESOPAL®-Patent wird angemeldet

Foto: Zeppelin über Friedrichshafen

Mit der Anmeldung des RESOPAL®-Patents durch die H. Römmler AG beginnt die Fertigung der ersten dekorativen Schichtstoffplatten. Die Bordküche eines Zeppelins wird mit rotem RESOPAL® ausgeführt.

50er Jahre – Freizügigkeit und Zweckmäßigkeit

Bild: Dekore der 50er Jahre
Bild: Dekore der 50er Jahre

Auf dem Nierentisch und der Einbauküche der 50er Jahre wird RESOPAL® zum Inbegriff von Modernität und geht als Gattungsbegriff in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. In der Wiederaufbauphase der 50er Jahre müssen die Dinge zunächst nichts mehr bedeuten und nichts mehr repräsentieren, sondern nur noch zweckmäßig sein. Der neue Werkstoff ist in jeder Hinsicht rein und unempfindlich. Die aus wirtschaftlicher Not mit Weiß gestreckten Grundfarben sind reine Oberfläche. Und die ohne technische Hilfmittel freihändig gravierten Linien- und Materialbilder abstraktes, reines Dekor.

60er Jahre – Zwischen Massenproduktion und Massenprotest

Die 60er Jahre werden vom Fortschritt der Produktionstechnologie bestimmt. Der Ausbau der Massenproduktion läßt alle am wirtschaftlichen Erfolg, am Wirtschaftwunder teilhaben. Die fertigungsgerechte Systematisierung aber führt zur Vereinheitlichung der Form und Entfärbung der Oberfläche. Die grauen Flächenfronten der Systemküchen werden nur noch von durchlaufenden Aluminium-Griffprofilen unterbrochen. Die Monotonie der Massenproduktion provoziert schließlich den Massenprotest.

70er Jahre – Jute statt Plastik

Die seelenlose Massenproduktion, die Ölkrise, die Prognose des Club of Rome schaffen ein neues Bewußtsein für die Umwelt. Man wendet sich der Natur, natürlichen Materialien, natürlichen Formen und Farben zu. Resopal reproduziert jetzt Naturmaterialien. Neue Oberflächen, Poren- und Textilstrukturen geben ihnen den Eindruck der Echtheit. Mit der gebrochenen Schieferoberfläche gelingt über das bloße Imitat hinaus eine neue Materialität, die bis heute erfolgreich ist. Und mit der Verkleinerung der großen Flower-Power Tapetenmuster jener Tage auf den Maßtab der kleinen Musterplättchen schafft Resopal wiederum eine neuen, eigenständigen Dekorstil.

1971 wird der Produktname, der inszwischen einen Bekanntheitsgrad von 85% erreicht hat, auch zum Firmennamen.

Dennoch verliert das Material an Image. Weil es seit den Fünfzigern unwidersprochen für Kunststoff, damals Synonym für Modernität, gehalten wurde, wird es jetzt als Plastik diskreditiert, obwohl es hauptsächlich aus Papier besteht. Und weil die an den abstrakten Mustern der Fünfziger geprägte Bezeichnung Dekor ebenfalls nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist, verunglimpft sie die neuen Materialreproduktionen als oberflächliches Imitat.

80er Jahre – Postmoderne und die Geburt von Memphis

Das postmoderne Design der 80er ist mit einem Datum verknüpft: Am 18. September 1981 präsentiert sich eine Gruppe von Designern mit ihrem Mentor Ettore Sottsass auf der Mailänder Möbelmesse. Die Objekte und Möbel von Memphis sind alles, nur nicht mehr natürlich und echt. Alles ist bunt und üppig dekorierte, aus den verschiedensten Kulturen und Epochen zitierte Oberfläche. Für die postmoderne Vielfalt erfindet Resopal die Unterdrucktechnik mit einer schier endlosen Kombinatorik. Jedes Muster läßt sich so mit allen Farben der RESOPAL®-Kollektion multiplizieren. Nur, dadurch wird das Material noch beliebiger und unspezifischer.

1987 übernimmt die schweizerische Forbo AG die Mehrheit an der BBC-Tochter. In der Folge wird die Bausparte ausgebaut. Die über Jahre entwickelte RESOPLAN®-Fassadenplatte wird zu einer weiteren Säule des Unternehmens.

90er Jahre – Neue Einfachheit und Natürlichkeit

Die Entwicklung des Designs an der Schwelle zum 21. Jahrhundert ist geprägt von einer neuen Einfachheit und Natürlichkeit. Als das oberflächliche Zitat und Imitat überhand genommen hatte, sollten handwerkliche Bearbeitungsspuren und natürliche Patina und Naturbelassenheit wieder Echtheit beweisen. Denn nur das Echte kann verwittern.

Resopal reproduziert jetzt nicht mehr nur Naturmaterialien wie in den Siebzigern, sondern zeigt dessen Gebrauchs- und Alterungsspuren. Es konserviert Materialzustände, die in der Natur nur als kurzfristige Metamorphose aufscheinen: die hellen Farben frischer, unbehandelter einheimischer Hölzer genauso wie blank geflexten, blau angelaufenen oder rostigen Rohstahl. 1998 geht die Resopal GmbH in den Besitz des weltweit operierenden amerikanischen Laminatherstellers Wilsonart International über und wird dessen europäische Marke.

Der Start ins 21. Jahhundert – Vom echten Materialbild zur gesteigerten Sinnlichkeit

Das Design an der Schwelle zum 21. Jahrhundert wird vom Purismus dominiert. Durch die Reduktion der Form rückt die Oberfläche, das Material stärker in den Blickpunkt. Resopal prägt den Trend hin zum sinnlichen Material.

Die Kollektion RESOPAL®>2008 reduziert die Komplexität der Produktpalette, das Mutationsprinzip wird zu einem Relikt des 20. Jahrhunderts. Für das neue Jahrtausend entwickelt Resopal eine adäquate Philosophie. Mehr Sinnlichkeit und gesteigerte Materialerlebnisse treten an die Stelle der Imitation des Echten. Mit der neuen Haptik EM fühlt und hört man, was man sieht.

Mit Casual Wear, der Trendkollektion 2004, erweitert Resopal die Materialerscheinung zusätzlich um kulturelle Dimensionen. Erinnerungen an die Vergangenheit werden wachgerufen. Die Retrokollektion RESOPAL®Volume verwandelt die plakativen Bunttöne der Fünfziger in lebendige Pigmente – für ein erfolgreiches Comeback der sprichwörtlichen RESOPAL®-Küche im 21. Jahrhundert.